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Die Doppellonge bzw. das Fahren vom Boden aus - Ausbildungsweg für Jung und Alte

Sowohl die Doppellonge als auch das Fahren vom Boden sind bei uns ein fester Bestandteil sowohl der Jungpferdeausbildung als auch des Trainings der älteren Pferde sowie der Korrekturpferde. Beides ist nichts Neues in der Pferdeausbildung, kommt in meinen Augen aber häufig viel zu kurz. Dabei bietet es so viele Vorteile gegenüber dem Reiten (gerade bei Jungpferden) als auch gegenüber dem reinen Longieren.

 

In unserem Ausbildungsprogramm ist der Übergang zwischen der Doppellonge und dem Fahren vom Boden fließend. Durch die Kombination von Beidem sind wir nicht an starre Auflagen gebunden und können jederzeit innerhalb einer Trainingseinheit auf die individuellen Bedürfnisse des Pferdes eingehen.

 

Das Fahren vom Boden ist in meinen Augen nichts anderes als simuliertes Reiten, jedoch ohne das zusätzliche Gewicht des Reiters. Dies ist gerade bei jungen Pferden ein Riesen-Vorteil, da sie ohne zusätzliche (Gewichts-)Belastung lernen können, weich und nachgiebig auf Zügel- und später auch auf „Schenkel-„hilfen zu reagieren. Wir können so die Lenkung und ruhige Übergänge erarbeiten, bevor jemals ein Reiter sein Bein über den Sattel legt. Dies führt dazu, dass wir unser Pferd mit allem vertraut machen können, was wir benötigen um ein entspanntes Anreiten zu gewährleisten.

 

Auch ältere Pferde profitieren im Training vom Fahren vom Boden aus. Es bietet Ihnen die gleiche Entlastung des Rückens und gleichzeitig noch ein hohes Maß an Abwechslung im Trainingsalltag. Pferde die ein gewisses Fehlverhalten unter dem Sattel erlernt haben, können ebenfalls sehr gut durch den Schritt zur Doppellonge aufgebaut und die korrekte Reaktion auf Hilfen erneut erarbeitet werden.

Doppellonge mit "Gurt" für Westernsattel, wie wir sie nutzen.
Doppellonge mit "Gurt" für Westernsattel, wie wir sie nutzen.

Bevor mit dem Fahren vom Boden aus begonnen werden kann, muss das Pferd auf die bevorstehende Übung vorbereitet werde. Hierzu empfiehlt es sich das Pferd ganz in Ruhe auszusacken. Einen Artikel dazu habe ich hier geschrieben. Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass das Pferd panisch wird, wenn die Leinen seine Flanken und Hinterbeine berühren. Erst wenn das Pferd sich entspannt aussacken lässt gehe ich den nächsten Schritt.

 

Für den Einstieg in die Arbeit mit der Doppellonge nutze ich unser 18m Round Pen. Als Zäumung nehme ich für Jungpferde das Halfter oder Sidepull (bis sie an eine Trense gewöhnt sind), bei älteren Pferden verwende ich ein recht dickes Gummi-Snaffle. Normalerweise arbeite ich beim Fahren vom Boden aus meine Pferde mit Sattel. Da die Steigbügel meist zu tief hängen und ich zu faul bin sie jedes Mal kürzer zu stellen, verwende ich eine spezielle Konstruktion – ähnlich einem Longiergurt – welche ich über meinen Westernsattel schnalle. Hierdurch habe ich verschiedene Möglichkeiten meine Doppellonge in der Höhe dem Ausbildungsstand des Pferdes anzupassen.

 

Zu Beginn finden alle Übungen im Schritt statt. Ist mein Pferd hier entspannt, beginne ich es im Jog/Trab zu arbeiten. Die ersten paar Runden bleibe ich eher in einer Longierposition stehen, da mein Pferd diese bereits kennt. Danach beginne ich mich mit dem Pferd zu bewegen und fange an, das Pferd kreuz und quer durch das Round Pen – später Reitplatz und Weide – zu lenken. Bei jedem Handwechseln wechsele ich natürlich auch die Seite des Pferdes auf welcher es mich sieht

 

Der nächste Schritt, um meine Hilfen zu verfeinern ist, dass ich dem Pferd beibringe, gleichzeitig dem Druck im Maul/auf der Nase als auch dem seitlichen Druck der Doppellonge zu weichen. Das Ergebnis sind erste Seitwärtstritte. Dies baue ich soweit aus, bis ich mein Pferd im Schritt und Trab seitwärts weichen lassen kann. Ebenfalls erarbeite ich ein Weichen der Hinterhand (Vorhandwendung) und ein Folgen der Vorhand (Hinterhandwendung). Anhalten und Rückwärtsrichten sind ebenfalls grundlegende Übungen. Sobald ich eine grundlegende Lenkung etabliert habe und mein Pferd entspannt folgt, fange ich an auf unserem großen Naturtrailplatz zu arbeiten. Hier kann ich das Pferd zusätzlich mental fordern indem ich es über Baumstämme, Planen, etc. lenke.

 

Wenn dies alles gut klappt, beginne ich auch im Galopp zu arbeiten. Hier laufe ich dem Pferd nicht mehr hinterher sondern wir bewegen uns auf großen Kreislinien. Auch im Galopp führe ich Handwechsel aus dem Zirkel durch. Dies erfordert ein wenig Geschick und Erfahrung ist aber mit ein etwas Übung leicht zu erlernen. Durch diese Handwechsel kann ich gut im Außengalopp arbeiten und somit Kraft und Koordination aufbauen.

 

Generell ermöglicht mir die Doppellonge bzw. das Fahren vom Boden aus schwierige und kraft- sowie koordinationsfördernde Übungen zu absolvieren, ohne bereits den Rücken des Pferdes zu belasten. Somit wird der Muskelaufbau und das Gleichgewicht des Pferdes angeregt und wenn ich beginne die jungen Pferde zu reiten, sind die meisten Lektionen bereits bekannt und Verhaltens- und Bewegungsmuster geformt. Hierdurch kann das Pferd leichter reagieren, ist nicht überfordert und generell gibt es weniger Drama und Konflikt bei den ersten Schritten unter dem Sattel.

 

Die Doppellonge bzw. das Fahren vom Boden aus eignet sich auch hervorragend für die Korrektur von älteren Pferden. Schon innerhalb einiger Wochen sind hier deutliche Verbesserungen möglich.

3jähriger AQHA Wallach in der Doppellonge. (Leider unscharf da aus Video. Sorry!)
3jähriger AQHA Wallach in der Doppellonge. (Leider unscharf da aus Video. Sorry!)

Die Abschnitte auf dem Weg zur Doppellonge noch einmal in der Übersicht:

 

1.)    Gewöhnen an fremde Gegenstände (Aussacken)

 

2.)    Erlernen grundlegender Stimmkommandos an der Longe

 

3.)    Gewöhnen an Sattel und Gebiss

 

4.)    Erarbeiten der korrekten Reaktionen eines Reitpferdes in der Doppellonge

 

 

 

Was es zu beachten gilt:

 

1.)    Immer in kleinen Lernschritten arbeiten.

 

2.)    Keine Ausbildungsschritte überspringen.

 

3.)    Loben NICHT strafen.

 

4.)    Die Hilfen sparsam einsetzen. So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

 

5.)    Nicht bis zur körperlichen Erschöpfung arbeiten.

 

 

 

Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Doppellonge / dem Fahren vom Boden aus gemacht? Oder würdet Ihr es gerne mal versuchen? Ich freue mich auf Eure Meinungen.

 

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